Richtmikrofone, Körperschallmikrofone und Spezialmikrofone: Wofür sie geeignet sind

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Bei Abhör- und Audioübertragungstechnik wird häufig mit großen Hörweiten geworben. Solche Angaben wirken eindrucksvoll, sagen aber allein wenig über die tatsächlich erreichbare Sprachverständlichkeit aus. Ein Mikrofon kann keine beliebig weit entfernten Gespräche klar erfassen, nur weil das Gerät sein Signal anschließend über ein Mobilfunknetz überträgt.
Für das hörbare Ergebnis sind mehrere Faktoren verantwortlich: die Qualität des Mikrofons, seine Position, der Abstand zur Geräuschquelle, die Raumakustik, die elektronische Verstärkung und die vorhandenen Störgeräusche. Erst das Zusammenspiel dieser Eigenschaften entscheidet darüber, ob Sprache klar, leise, verrauscht oder kaum verständlich ankommt.
Bei einem GSM-Abhörgerät kann sich das empfangende Telefon sehr weit vom Gerät entfernt befinden. Das Mobilfunknetz überbrückt diese räumliche Entfernung. Die akustische Reichweite des eingebauten Mikrofons bleibt davon jedoch unberührt.
Das Mikrofon erfasst nur die Schallwellen, die an seinem tatsächlichen Standort ankommen. Ist ein Sprecher zu weit entfernt, spricht sehr leise oder wird von starken Hintergrundgeräuschen überlagert, kann auch eine technisch einwandfreie Mobilfunkverbindung keine klare Sprache erzeugen.
Man muss deshalb zwei völlig unterschiedliche Entfernungen auseinanderhalten:
Die erste Entfernung kann durch das Mobilfunknetz sehr groß sein. Die zweite bleibt von den physikalischen Bedingungen am Standort abhängig.
Ein Mikrofon wandelt Schallwellen in ein elektrisches Signal um. Dieses zunächst schwache Signal wird durch die interne Elektronik verstärkt und anschließend übertragen oder aufgezeichnet.
Bereits bei dieser ersten Signalaufnahme können Qualitätsverluste entstehen. Ist das Mikrofon ungeeignet positioniert, durch ein Gehäuse verdeckt oder technisch minderwertig, gelangt nur ein schwaches oder verfälschtes Signal zur weiteren Verarbeitung.
Wichtige Eigenschaften sind:
Ein besonders empfindliches Mikrofon nimmt leise Geräusche stärker auf. Gleichzeitig kann es jedoch auch Nebengeräusche, Raumhall, Lüfter, Verkehrslärm oder elektrische Störungen stärker erfassen.
Entscheidend ist daher nicht nur, wie viel ein Mikrofon aufnimmt, sondern wie gut sich das gewünschte Sprachsignal vom übrigen Geräuschpegel unterscheidet.
Ein Mikrofon mit sehr hoher Empfindlichkeit kann in einem ruhigen Raum ausgezeichnet arbeiten. In einer lauten Umgebung kann dieselbe Empfindlichkeit dazu führen, dass Sprache und Störgeräusche nahezu gleich stark übertragen werden.
Als Signal bezeichnet man die gewünschte Sprache oder das relevante Geräusch. Rauschen umfasst unerwünschte Geräusche und elektronische Störungen.
Je deutlicher das gewünschte Signal über dem Rauschpegel liegt, desto verständlicher ist das Ergebnis. Eine starke elektronische Verstärkung allein hilft deshalb nicht immer. Sie verstärkt häufig gleichzeitig Sprache und Störgeräusche.
Eine gute Mikrofontechnik zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie leise Nutzsignale mit möglichst wenig zusätzlichem Eigenrauschen verarbeitet.
Mit zunehmendem Abstand nimmt der direkt eintreffende Sprachschall ab. Gleichzeitig bleiben viele Umgebungsgeräusche weiterhin vorhanden. Dadurch verschlechtert sich das Verhältnis zwischen Sprache und Hintergrundgeräusch.
Ein Gespräch, das in zwei Metern Entfernung gut verständlich ist, kann in einem großen halligen Raum aus acht oder zehn Metern Entfernung deutlich schwieriger zu erfassen sein.
Die häufig genannte „Hörweite“ ist deshalb kein fester Wert. Sie hängt unter anderem davon ab:
In Räumen mit vielen harten Oberflächen werden Schallwellen mehrfach reflektiert. Dadurch überlagern sich direkte Sprache und zeitlich verzögerte Reflexionen. Das Ergebnis kann hallig und undeutlich wirken.
Teppiche, Vorhänge, Polstermöbel und andere weiche Materialien dämpfen Reflexionen. Leere Räume, Fliesen, Glasflächen oder Betonwände verstärken dagegen häufig den Nachhall.
Ein gutes Mikrofon kann ungünstige Raumakustik nicht vollständig korrigieren. Die Positionierung ist deshalb oft ebenso wichtig wie die technische Qualität des Gerätes.
Viele alltägliche Geräusche beeinträchtigen die Sprachverständlichkeit stärker, als zunächst angenommen wird:
Besonders gleichmäßige tieffrequente Geräusche können die Aufnahme dauerhaft überlagern. Plötzliche laute Geräusche können wiederum zu Übersteuerungen führen.
Ein hochwertiges Mikrofon kann nur dann zuverlässig arbeiten, wenn die Schallöffnung nicht verdeckt wird. Stoff, Schubladen, dichte Gehäuse oder massive Gegenstände vor dem Mikrofon schwächen bestimmte Frequenzen und verschlechtern die Verständlichkeit.
Auch die Ausrichtung spielt eine Rolle. Ein Mikrofon sollte möglichst nicht direkt neben einer Störquelle oder hinter einer stark dämpfenden Oberfläche positioniert werden.
Geräte mit einem nach außen geführten oder flexibel positionierbaren Mikrofon können dann Vorteile bieten, wenn die Elektronik selbst an einem geschützten Ort untergebracht werden soll, das Mikrofon aber akustisch günstiger platziert werden muss.
Ein Richtmikrofon nimmt bevorzugt Schall aus einer bestimmten Richtung auf. Dadurch können seitliche Nebengeräusche reduziert und eine entfernte Schallquelle gezielter erfasst werden.
Richtwirkung bedeutet jedoch nicht, dass jedes entfernte Gespräch automatisch klar verständlich wird. Entfernung, Wind, Hintergrundgeräusche und exakte Ausrichtung bleiben entscheidend.
Ein Beispiel für eine gezielte Richtwirkung ist das Superkardiod-Richtmikrofon. Für noch stärker gebündelte Anwendungen stehen außerdem Parabol- und weitere Richtmikrofone zur Verfügung.
Die unterschiedlichen Systeme sind in der Kategorie Mikrofone und Spezialmikrofone zusammengefasst.
Körperschallmikrofone nehmen nicht primär den freien Luftschall auf. Sie erfassen Schwingungen, die sich in festen Materialien wie Wänden, Türen, Rohren oder Maschinen ausbreiten.
Das Profi-Stethoskop mit Körperschallmikrofon ist für solche speziellen Aufgaben ausgelegt. Entscheidend sind dabei ein direkter Kontakt zur Oberfläche, das jeweilige Material und die vorhandenen Schwingungen.
Ein Körperschallmikrofon ist daher keine allgemein bessere Alternative zum normalen Mikrofon, sondern ein Spezialwerkzeug für eine andere Art der Schallübertragung.
Die Mikrofonqualität ist unabhängig davon wichtig, ob das Signal live übertragen oder gespeichert wird. Eine schlechte Signalaufnahme bleibt auch in einer digitalen Audiodatei schlecht.
Für eine spätere Auswertung eignen sich je nach Aufgabenstellung Micro-Voicerecorder und Audiorecorder. Für eine unmittelbare Fernverbindung kommen Geräte aus der Kategorie Abhörgeräte infrage.
Die Wahl des Übertragungsweges ändert jedoch nichts an den akustischen Grundbedingungen am Mikrofonstandort.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn bei einem sehr kleinen Gerät außergewöhnlich große Hörweiten versprochen werden, ohne die Testbedingungen zu nennen.
Seriöse Angaben sollten zumindest erkennen lassen:
Zwischen „ein Geräusch ist hörbar“ und „ein Gespräch ist klar verständlich“ besteht ein großer Unterschied.
Die Übertragungstechnik kann ein Audiosignal über große Entfernungen transportieren. Ob dieses Signal verständlich ist, entscheidet sich jedoch bereits dort, wo das Mikrofon den Schall aufnimmt.
Mikrofonqualität, Abstand, Raumakustik, Störgeräusche und Positionierung müssen gemeinsam betrachtet werden. Große Werbeversprechen ersetzen keine realistische akustische Bewertung.
Wichtiger Hinweis: Mikrofon-, Abhör- und Aufzeichnungstechnik darf ausschließlich im Rahmen der geltenden gesetzlichen Bestimmungen und mit erforderlicher Einwilligung oder Berechtigung eingesetzt werden.